Mecklenburg-Vorpommern hat ganzjährig geöffnet

Der Winter und seine Ausläufer sind an der Ostseeküste stets besonders reizvoll. Seebäder wie Kühlungsborn und Heringsdorf punkten gerade jetzt mit attraktiven Standort-Extras.

Der Strand ist verschwunden. Wo sonst ein 20 Meter breiter Streifen Puderzucker die Ostsee von der Düne trennt, wüten heute gefräßige Wogen. Ein steifer Nordnordwest peitscht sie unablässig ans Ufer, wo sie an Sand und Bewuchs nagen. Gischt schwappt bis auf die Promenade und bespritzt die wenigen Mutigen, die sich ins Inferno getraut haben. Selbst die sturmerprobten Möwen suchen Schutz und spektakeln lautstark über das Wetter.

Mit anderen Worten: Es ist ein toller Tag an der See. Wo sonst kann man so unmittelbar entfesselte Natur erleben? Wo das dramatische Wechselspiel von Wolken und Wasser so intensiv genießen? Als Spielball des Windes dahintreiben als hilfloses Küken. Sich durchpusten lassen. Durchlüften bis in die Seele. Durchfrieren bis auf die Knochen. Umso wohliger fließen anschließend unterm Reetdach wahlweise Grog, Rum oder heißer Sanddornsaft durch den tiefgekühlten Leib.

Ostseeküste Mecklenburgs: Kühlungsborn ist immer und doppelt schön

All das kann man bis zum Frühling überall an der Ostsee haben; einer der beliebtesten Orte ist in dieser Zeit Mecklenburgs größtes Seebad Kühlungsborn. Zum einen wegen der Infrastruktur. Hier herrscht niemals tote Hose. Ob einfache Ferienwohnung oder anspruchsvoller Wellness-Tempel, ob simples Heringsbrötchen oder Gourmet-Fischpfanne, ob schlichte Keramik oder ausgefallener Bernsteinschmuck – selbst in der flauesten Nebensaison halten viele Hotels, Restaurants, Cafés und Boutiquen Türen und Tore geöffnet.

Zweites Argument – der einmalige Ortscharakter. Die Stadt Kühlungsborn entstand 1938 durch Zusammenschluss der Orte Brunshaupten-Fulgen (heute Kühlungsborn-Ost) und Arendsee (Kühlungsborn-West), so dass es hier vieles doppelt gibt: zwei Zentren mit zwei Geschäftsstraßen fürs Bummeln, Essen und Einkaufen; zwei Konzertgärten für Kultur, Kino und Musik; zwei Bahnhöfe für die nostalgische Schmalspurbahn „Molli“, die seit fast 125 Jahren zischend und fauchend nach Heiligendamm und Bad Doberan schnauft.

Dazu, passend für praktisch jedes Wetter, drei exzellente Verbindungen zwischen den Ortsteilen. Erstens der sechs Kilometer lange Sandstrand. Wer an der Seebrücke in Ost zum Spaziergang startet, hat eine einstündige Gratis-Sauerstoff-Therapie in bester jodhaltiger Salzluft vor der Brust und stets zwei schöne Landmarken im Blick: den markanten Turm vom Appartementhaus „Meeresblick“ und das „Schloss am Meer“. Ein Unikat der Bäderarchitektur, das außerdem so exponiert und dicht am Wasser steht wie kein anderes Hotel.

Weg Nummer zwei führt über Deutschlands längste Strandpromenade. In elegantem Bogen folgt sie der Uferlinie unmittelbar hinter dem Dünengras und erlaubt dabei jederzeit unverstellte Blicke auf Meer und Strand, bevor sie nach exakt 3.150 Metern in Kühlungsborn-West in den Baltic-Platz mündet.

Die Ostseeallee schließlich ist die städtische Flaniermeile schlechthin. Getrennt und geschützt von Promenade und Strand durch einen schmalen Streifen Wald, reiht sich an ihr eine alte Villa an die andere wie an einer Perlenkette. So gut wie alle wurden mit großem Aufwand restauriert, so dass Jugendstil- und Bäderarchitekturfassaden wie anno 1920 erstrahlen und der Gast von heute dennoch auf keinerlei Komfort verzichten muss. Und langweilig dürfte ihm in Kühlungsborn schon gar nicht werden – das Angebot an kulturellen wie sportlichen Aktivitäten ist enorm. Sogar für Nordlichter durchaus Exotisches wie Pirouetten drehen, Eisstockschießen und Eishockey spielen lässt sich am Ostseestrand prima – in der wind- und wettergeschützten Eishalle im Konzertgarten-West.

Usedom: Bäderarchitektur vom Allerfeinsten

Ein wahrer Schatz der Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin sind die vielen Villen der Reichen von einst, die heute wieder genauso schnieke aussehen wie zu Kaisers Zeiten. Dabei schießt Heringsdorf den exklusivsten Vogel ab, denn nirgendwo ist Bäderarchitektur prachtvoller und eleganter, das Flair von einst intensiver spürbar als im „ Nizza der Ostsee“. Gerade im Winter ein besonderer Leckerbissen, weil Kälte und Sonne für tolles Licht, Wind und Wellen für rauschende Begleitmusik, für Ruhe, Muße und Genuss sorgen.

Im einst mondänsten Seebad des Usedomer Dreigestirns schimmern allein in der Strandpromenade ein halbes Dutzend extravagante Ikonen. Die Villa des Großkaufmanns Wilhelm Staudt etwa, dessen Frau Kaiser Wilhelm II. hier regelmäßig zum Teekränzchen empfing. Bankier Benoit Oppenheims strahlendweiße Residenz, in der Lyonel Feininger von 1908 bis 1912 seine Sommer verlebte. Hans von Bleichröders neobarockes Bauwerk, in dessen piekfeinem Interieur sich Urlaubsgäste heute fühlen dürfen wie Mini-Monarchen. Oder die ockerfarbene Villa Oechsler von 1883 mit Portikus-Säulen aus schwedischem Porphyr und venezianischem Giebelmosaik, bei dem jedes einzelne Steinchen mit Goldgrund unterlegt wurde – solch sündhaft teuren Glanz gab es sonst nur bei Kirchen und Königen.

Insgesamt etwa drei Dutzend schicke Bäderarchitektur-Juwelen sind in Heringsdorf zu bestaunen und bieten im Winter wohlige Wärme. Bildschöne Häuser wie „Villa Augusta“, „Villa Oasis“, „Villa Ikarus“ oder der Altrosa-Jugendstil-Traum „Villa Hintze“. Paläste wie das Hotel Esplanade oder das Seeschloss. Holzbauten wie der lang gestreckte „Kaiser Pavillon“ oder ein „Hexenhäuschen“-Fachwerk mit grünspanigem Türmchendach. Manch schickes Kleinod erwählten sich Reiche von heute zum standesgemäßen Domizil; andere wie die Apotheke residieren seit über 100 Jahren im gleichen noblen Ambiente. Und was es so wohl auch nur in Heringsdorf gibt: Selbst die Polizeistation steckt hier in einer dreistöckigen repräsentativen Villa.

Und dann ist da – gerade im Winter – ja immer noch das große Schauspiel, das die Ostsee täglich aufführt und dessen einzige Konstante der stete Wechsel ist. In Kühlungsborn hat der Sturm inzwischen abgeflaut, am Strand weht nur noch ein laues Lüftchen. Sanft wie in einer Lagune plätschern die Wellen ans Ufer; vergoldet von der sinkenden Sonne spiegelt sich der Turm vom „Meeresblick“ in kleinen Prielen und Senken. Eine einsame Lachmöwe zeigt eingemummelten Touristen, wie elegant sie durch die Luft segeln kann.

Als der Mond schließlich die Sonne ablöst, landet plötzlich wie aus dem Nichts ein ganzer Schwarm Möwen vor den Füßen des einsamen Strandgängers und beginnt sich in einem rätselhaften gruppendynamischen Prozess zu bewegen. Ein paar Trippelschritte nach links, ein paar nach rechts, eine Drehung, und alles noch einmal vorn. Zugegeben: Das klingt jetzt ein bisschen kitschig. Aber was will man machen – so ist er halt auch, der Winter an der Ostsee.

Herbst-Winter-Angebote:

Überall in Mecklenburg-Vorpommern bieten Drei- und Vier-Sterne-Hotels jetzt Doppelzimmer mit Frühstück für 55 beziehungsweise 66 Euro pro Nacht sowie attraktive Arrangements für Kurzurlaube an. So auch in Kühlungsborn und auf Usedom. Die Broschüre gibt es beim Tourismusverband MV – auch als pdf-Download.

Aktuelle Veranstaltungen (Auswahl):

Kühlungsborn

  • Jeden Mo. und Sa.: Vergnügliche Stadtführung;
  • Jeden Mi.: Gute-Nacht-Bummel mit der Märchenhexe;
  • Jeden Mo., Mi., Fr.: Wanderungen in die und in der Umgebung;
  • Jeden So.: Sonntagswanderung – Natur trifft Kunst;
  • Jeden Mi. und So.: Lauftreff für Jung und Alt;
  • Jeden Di. und Do.: Führungen im Bootshafen;
  • Jeden Di. bis So.: Whiskyverkostung;
  • Jeden Mo. und Do.: Strandspaziergang und Segeltörn;
  • Jeden Di. und Do.: Radwanderungen durch Kühlungsborn und Umgebung;
  • Mehrmals wöchentlich: Kreativ- und Töpferkurse;
  • Täglich: Golffußball im Ostsee Golf Resort Wittenbeck

Heringsdorf:

  • Jeden So.: Historischer Bummel;
  • Jeden Di.: Erlebnis Bäderarchitektur – Führung;
  • Jeden Do.: Geocaching – Schatzsuche nach GPS;
  • Jeden Sa.: Planwagen-/Kremserfahrten durch den Naturpark Usedom;
  • Jeden Di. und Do. im Februar: Filmvorführung wie man 1951 in Heringsdorf Urlaub machte;
  • 4. Februar: Literarischer Abend bei Kerzenschein im Museum Villa „Irmgard“;
  • 5. und 12. Februar: Eisstockschießen;
  • 6. Februar: Kurt Tucholsky Abend

Quelle: PM 07/14 TMV
Foto: Eichler

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